Höhenmeter, Moorlandschaft und erster Blick auf den Kilimandscharo
Auch dieses Mal gibs wieder eine Sprachnachricht direkt vom Berg im Südtiroler Dialekt.
Die Nacht war kurz und ungewohnt, aber trotzdem erstaunlich erholsam. Das letzte Mal, dass ich in einem Zelt geschlafen habe, ist lange her. Sehr lange. Ich war vielleicht sieben oder acht Jahre alt. Und nun, mit fast 34, erlebte ich diese Art des Schlafens wieder. Dieses Mal aber deutlich besser vorbereitet: mit einer aufblasbaren Matratze, die wirklich unglaublich bequem war, und einem hochwertigen Schlafsack, der für Temperaturen bis minus 15 Grad ausgelegt ist. Und um den sollte ich in den nächsten Tagen noch sehr froh sein.
Die erste Nacht im Regenwald war von den Temperaturen her sehr angenehm. Um 6.30 Uhr signalisierte mir mein Wecker, dass es Zeit war aufzustehen. Ich zog mich an, packte meinen Rucksack und meine Tasche zusammen, und dann gab es Frühstück. Und was für eines.

Gestärkt ging es um kurz nach 7.30 Uhr los. Heute stand der Aufstieg ins Shira Camp 2 auf dem Plan. Das Camp liegt auf etwa 3.900 Metern Höhe. Es waren 17 Kilometer und rund 1.250 Höhenmeter zu bewältigen. Ein deutlich anspruchsvollerer Tag als der vorherige. Die Wanderzeit war mit rund neun Stunden angegeben.

Noch bevor wir losmarschierten, erinnerte mich Stanley daran, so viel wie möglich zu trinken um der Höhenkrankheit vorzubeugen. Empfohlen waren vier bis fünf Liter täglich. Zum Frühstück trank ich zwei große Tassen Tee. Mein CamelBak wurde mit fast drei Litern Wasser befüllt, dazu kam noch eine zusätzliche Flasche mit etwa einem Liter. Abends gab es dann wieder zwei bis vier Tassen Tee. Insgesamt also wirklich eine ganze Menge Flüssigkeit.
In der Nähe jedes Camps gab es eine Wasserstelle. Die Träger holten dort das Wasser, das dann abgekocht und über Nacht für den nächsten Tag abgekühlt wurde. So wurde sichergestellt, dass wir jederzeit trinkbares Wasser zur Verfügung hatten.
Langsam machten wir uns auf den Weg. Pole pole. Ich trug nur meinen Tagesrucksack mit den Dingen, die ich tagsüber brauchte. Die große Tasche mit Schlafsack, Matratze, Winterkleidung, Wechselklamotten und meiner Kulturtasche wurde für mich ins nächste Camp getragen. Um das Gewicht gering zu halten, hatte ich einige Dinge, die ich am Berg nicht benötigte, aber für die Zeit nach der Rückkehr ins Tal brauchen würde, im Hotel gelassen. Trotzdem fand ich meine Tasche noch immer schwer und bewunderte die Träger umso mehr. Was sie auf ihren Köpfen den Berg hochtrugen, war beeindruckend. Pro Träger waren offiziell nur 20 Kilogramm erlaubt, das wurde beim Gate auch gewogen. Doch allein beim Zusehen war klar: Einige trugen deutlich mehr. Und sie liefen den Berg in einem Tempo hoch, bei dem viele Wanderer (mich eingeschlossen) selbst ohne Last nicht mithalten konnten.

Im Laufe des Tages veränderte sich die Landschaft. Wir stiegen höher, der Regenwald lag langsam hinter uns. Die Bäume wurden kleiner, irgendwann waren nur noch Sträucher übrig. Wir hatten das Moorland erreicht – die nächste Vegetationsstufe, geprägt von niedrigen Pflanzen, vereinzeltem Buschwerk, überraschend vielen blühenden Gewächsen und auch der Kilimandscharo Palme.





Gegen Mittag erreichten wir das Shira Camp 1. Wir hielten nicht an, denn wer wie ich, eine siebentägige Tour gebucht hatte, wanderte direkt weiter ins Shira Camp 2. Wer sich für eine längere Tour mit acht Tagen entschieden hatte, übernachtete hier.

Ich hatte mittlerweile großen Hunger. Der Aufstieg bis hierher hatte es in sich. Über 1.000 Höhenmeter auf gerade mal vier Kilometer war eine kleine Tortur. Umso dankbarer war ich, als wir kurz nach dem Camp für eine Mittagspause anhielten. Das Lunchpaket war ähnlich wie am Vortag. Ich war froh über jede einzelne Kalorie. Denn Kalorien bedeuteten Energie. Und von der würde ich heute noch einiges brauchen.
Wir waren nun auf dem Shira-Plateau angekommen. Es ist Teil des Kilimandscharo-Massivs und einer von drei Vulkanen. Shira ist der älteste der drei, mittlerweile erloschen, und bildet heute das relativ flache Plateau. Von hier aus hat man zum ersten Mal die Chance, den Kilimandscharo zu sehen. Ich hatte Glück – auch wenn er ein wenig in den Wolken hing.

Der weitere Anstieg war mit etwa 250 zusätzlichen Höhenmetern überschaubar. Obwohl wir uns bereits auf über 3.500 Metern befanden, waren die Temperaturen angenehm. In der Sonne konnte ich im T-Shirt wandern, im Schatten brauchte ich eine Jacke. Ich hatte wirklich Glück mit dem Wetter. Von Regenzeit war bisher nicht viel zu spüren. Wenn überhaupt, nieselte es gelegentlich. Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet.



Um 16 Uhr kamen wir im Camp an. Wieder war ich eine der ersten. Einige waren im Shira Camp 1 geblieben, viele andere waren in Gruppen unterwegs. Und je größer die Gruppe, desto langsamer der Aufstieg. Es wurde viel geredet, viele Pausen für Fotos und Videos gemacht.


Auch ich hatte überlegt, die Tour in einer Gruppe zu machen. Aber in diesem Moment war ich froh, dass ich allein unterwegs war. Also, allein im Sinne von ohne andere Wanderer. Meine neun Begleiter waren ja trotzdem da, auch wenn ich sieben davon eigentlich nur im Camp sah. Klar, war es so kostspieliger. Aber ich konnte mein eigenes Tempo gehen und musste meine Energie nicht mit Smalltalk verschwenden.
Wie sich herausstellte, gab es im Shira Camp 2 tatsächlich einen Ort, an dem es Handyempfang gab. Ich hatte mir vor der Reise eine E-SIM organisiert, und so konnte ich auf fast 4.000 Metern einen kurzen Videocall mit meiner Familie machen. Ein Moment, der sich ganz surreal anfühlte.
Die Abendroutine begann. Frisch machen, etwas Bequemes anziehen, ausruhen, essen, Gesundheitscheck, nochmal ausruhen und dann schlafen.

Am nächsten Tag würden wir über den Lava Tower zum Barranco Camp wandern. Die Luft war bereits deutlich dünner geworden, aber meine Vitalwerte waren gut.
Ich war gespannt, wie die Nacht auf 3.900 Metern werden würde. Diesmal war es ruhig. Keine Affen mehr. Nur riesige, schwarze Krähen, die nachts aber keinen Laut von sich gaben, und ein paar Streifenmäuse, die zwischen den Sträuchern hin und her huschten.
Während ich über den Tag nachdachte, spürte ich, wie erschöpft ich war. Und schon kurz darauf glitt ich in den Schlaf.
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